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Kein Brexit für Realschüler: Eine Woche zu Besuch in der Weltstadt London

Traditionelle Fahrt führt auch wieder nach Canterbury und Brighton

Während sich Teile Großbritanniens mittels Referendum vor ein paar Wochen eher vom übrigen Europa abwandten, beschritten 50 Schüler der Realschule Freyung den genau umgekehrten Weg und machten sich zu einer knapp einwöchigen Reise in die Weltstadt London auf. Alle Teilnehmer hatten sich zuvor erfolgreich der PET-Prüfung unterzogen. PET steht für Prelimary English Test und bezeichnet eine internationale, standardisierte Sprachprüfung des Cambrigde Institutes. Für die Durchführung der Tests an der Schule waren die Lehrkräfte Frau Schinko, Frau Jäckel und Herr Wenzel verantwortlich, welche die Reisegruppe begleiteten.

Erste Station nach der Fährüberfahrt von Calais nach Dover bildete die Domstadt Canterbury in der Grafschaft Kent, die vor allem wegen Geoffrey Chaucers „Canterbury Tales“ weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt ist. Auch der imposanten Kathedrale, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, verdankt die Stadt die zahlreichen Besucher. Bei einem Spaziergang durch den historischen Kern mit mittelalterlichen Fachwerkhäusern konnten sich die Schüler einen ersten Eindruck von England verschaffen.

Als Ausgangspunkt für die Stadterkundung in London wählte Frau Schinko, Organisatorin der Reise, den Stadtteil Greenwich. Der Nullmeridian, der hier verläuft, machte den Ort weltbekannt. Nach einem Spaziergang durch den schattigen „Greenwich Park“ und einem Blick auf das Segelschiff „Cutty Sark“ ging es per Schiff auf der Themse nach Westminster. Wirklich atemberaubend waren die Ausblicke von Londons berühmtem Fluss auf die unzähligen Sehenswürdigkeiten, wie dem „Tower of London“, dem größten Wolkenkratzer Londons „The Shard“ oder dem gigantischen Riesenrad „London Eye“. Unter der „Tower Bridge“ hindurch gelangte man schließlich direkt zu den „Houses of Parliament“ mit dem imposanten „Big Ben“.

Diese erste Stadterkundung per Schiff wurde am folgenden Tag per Bus fortgeführt. Begleitet von einem offiziellen Blue Badge Guide erkundete die Gruppe weitere Sehenswürdigkeiten, wie „St. Paul’s Cathedral“, „Westminster Abbey“, „Trafalgar Square“ und vieles mehr. Recht kurzweilig wurde die Fahrt vor allem durch die zahlreichen Anekdoten, die man sich zu den einzelnen Stätten erzählt. Den nächsten Programmpunkt stellte der Besuch des Wachsfigurenkabinetts „Madame Tussaud‘s“ dar, welches kürzlich durch die schauerliche Ausstellung „Sherlock Holmes Experience“ erweitert wurde.

Am dritten Tag machten sich die Teilnehmer auf nach Brighton in der Grafschaft East Sussex. Wo sich früher Englands Adel tummelte, um die Seeluft mit allem Komfort zu genießen, findet man heute eine bunte Mischung aus Geschichte, Lebenslust und Unkonventionellem. Besonders beeindruckend ist hier der 500 Meter ins Meer hinausragende „Brighton Pier“ oder der „Royal Pavillion“, der wie das Fantasieschloss eines indischen Maharadschas wirkt. Nach einem Abstecher ins „Sealife Brighton“ blieb genügend Zeit für interessante Streifzüge durch die sogenannten „Lanes“. Diese engen und verwinkelten Gässchen stellen den historischen Kern des ehemaligen Fischerdorfes dar und beherbergen heute Antiquitätenläden, Designerboutiquen und Restaurants gleichermaßen. Gestärkt mit einer Portion „Fish ‘n‘ Chips“ setzte man den Tagesausflug mit einem Abstecher nach „Beachy Head“ und „Birling Gap“ südlich von Eastbourne fort. Das Klippenpanorama der „Seven Sisters“, steil ins Meer abfallende Kreidefelsen, bot einzigartige Fotomotive. Das gesamte Gebiet steht zu Recht unter Landschaftsschutz.

Der nächste Tag stand ganz unter dem Motto Theater. Zunächst besuchte die Gruppe „Shakespeare‘s Globe Theatre“. In einer originalgetreuen Rekonstruktion konnte man nachempfinden, was sich vor 400 Jahren auf Londons Bühnen abspielte. Vor allem die Stücke William Shakespeares standen damals im Mittelpunkt des Interesses und machten den Dichter, dessen Todesjahr sich 2016 zum 400. Mal jährt, bis heute unsterblich. Sowohl die informative Führung durch das Theater als auch der Besuch der sich angliedernden Ausstellung zeigten eindrucksvoll die ungebrochene Bedeutung William Shakespeares für seine weltweite Fangemeinde.

Den Abschluss des Tages stellte dann ein Besuch des Musicals „Charlie And The Chocolate Factory“ dar. Die Geschichte basiert auf einer Erzählung des britischen Schriftstellers Roald Dahl und ist vielen Schülern aus der gleichnamigen Verfilmung mit Johnny Depp bekannt. Eine unglaubliche Bühnenshow mit beeindruckenden Spezialeffekten versetzte das Publikum in helle Begeisterung. Vor allem die schauspielerische Leistung der Kinderdarsteller sorgte für frenetischen Applaus.

Neben den zahlreichen Programmpunkten sollte aber auch genügend Zeit für eigene Erkundungen bleiben, welche von den Teilnehmern auf ganz unterschiedliche Weise genutzt wurde: Staunen im Science - oder Natural History Museum, Bummeln im Nobelkaufhaus Harrods, Shopping in der Regent Street oder Ausruhen im St. James Park. Ganz weltmännisch machten sich die Schüler mit der Londoner U-Bahn allein auf zu ihren Lieblingszielen, konnten dabei ihre erworbenen Sprachkenntnisse bestens anwenden und gewannen unvergessliche Eindrücke von der wunderschönen Stadt. Verstärkt wurden die Einblicke in den British Way of Life durch den Aufenthalt bei Gastfamilien, die die Schüler während der Reise beherbergten. Interessant gestalteten sich auch diverse Gespräche mit Taxifahrern, Reiseführern oder Gasteltern bezüglich Brexit. Niemand zeigte sich wirklich begeistert von einer Zukunft ohne EU, alle hoffen auf eine Rückbesinnung und den Slogan „Out is out“ will man noch gar nicht wahrhaben. Wie es weitergehen wird, können wir in zwei Jahren hautnah erleben, wenn sich die nächste Reisegruppe nach London aufmachen wird.

 

 

Rita Schinko