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Was Beni in der Schule zu suchen hat

Der Golden Retriever ist Schulhund an der Freyunger Realschule – ein ganz schön vielseitiger "Job"

Wenn man das Klassenzimmer betritt, fällt er zunächst kaum auf: Auf einem grauen, rechteckigen Teppich hat er es sich bequem gemacht, liegt neben dem Pult der Lehrerin. Erst wenn sie ihm das Kommando gibt, reagiert er. Er, das ist Beni, ein Golden Retriever, zwei Jahre alt. Und er verbringt einige Vormittage in der Woche auf ganz besondere Art und Weise – als Schulhund an der Freyunger Realschule.
"Das hat eher zufällig angefangen", erinnert sich Frauchen und Lehrerin Susanna Brunner im PNP-Gespräch. Vor rund eineinhalb Jahren hatte sie Beni – damals war der Hund gerade mal sechs Monate alt – bei einem Elternsprechtag dabei. "Mir ist aufgefallen, wie positiv die Eltern auf Beni reagiert haben", erzählt die Lehrerin. Da kam ihr die Idee: Das kann man ausbauen, für den Unterricht nutzen.

Dreimal pro Woche in der Schule dabei: der zweijährige Rüde Beni mit seinem Frauchen Lehrerin Susanna Brunner. "Beni bringt eine positive, ruhige Stimmung in den Unterricht." − Foto: Jahns

Dreimal pro Woche in der Schule dabei: der zweijährige Rüde Beni mit seinem Frauchen Lehrerin Susanna Brunner. "Beni bringt eine positive, ruhige Stimmung in den Unterricht." − Foto: Jahns

Kurzerhand informierte sich Susanna Brunner, welche Fortbildungen es hierzu gibt. Sie absolvierte schließlich zusammen mit Beni einen speziellen Kurs, der mit einem Zertifikat endete und das Team Brunner-Beni nun als Klassen- und Schulhundeführer ausweist. Auch Schulleiterin Ursula Stegbauer-Hötzl zeigte sich von der Idee angetan und erlaubte es, dass Beni Teil des Unterrichts wird.

Beim Elternabend zufällig auf die Idee gekommen

Seit knapp einem Jahr nun ist der kastrierte Rüde an drei Vormittagen pro Woche mit seinem Frauchen an der Realschule. Und die bindet den Hund auf unterschiedliche Art in ihren Unterricht ein. "Etwa als Unterrichtsmedium und zur Motivation." Außerdem habe Beni auch "eine überunterrichtliche Wirkung für die Schule".
Als Unterrichtsmedium dient der Rüde beispielsweise im Fach Kunst, welches Susanna Brunner neben Informationstechnik und Deutsch unterrichtet. "Wenn es beispielsweise in der sechsten Klasse um das Malen mit dem Malkasten und ums Farbenmischen geht, schlage ich vor: Mischt doch mal die Farbe von Benis Fell." Wenn die Lehrerin die Erlaubnis gibt, darf ein Schüler nach erfolgter Farbmischung den Hund dann zu sich rufen, um direkt den Pinsel neben das Fell halten und so den "Farbmisch-Erfolg" feststellen zu können. Auch für perspektivische Übungen könne der Hund im Kunstunterricht eingesetzt werden. Also etwa: Wie groß wirkt das Tier aus der vordersten Sitzreihe? Wie groß aus der letzten? Und als der dreiköpfige Höllenhund Kerberus im Kunstunterricht gezeichnet werden musste, durfte natürlich einer als Vorlage posieren: Beni.

Zur Motivation könne der Rüde dienen, wenn Schüler eine Aufgabe bewältigen müssen: "Wer als erster fertig ist, darf streicheln", sagt Susanna Brunner. Auch habe die Lehrerin festgestellt, dass es unruhigen Schülern gut tut, wenn sie den Hund streicheln dürfen, sich bewusst runterfahren und für einen Moment dem Tier widmen.
Mittlerweile, und das meint Brunner mit "überunterrichtliche Wirkung", kenne jeder an der Schule den Beni – auch die Schüler, die die Lehrerin gar nicht selbst im Unterricht hat. "Er ist ,unser Schulhund‘."

Auf vielfältige Art und Weise wird Beni in den Unterricht eingebaut – etwa hier in der Klasse 7c als Motivator. − Foto: Klasse 7c

Auf vielfältige Art und Weise wird Beni in den Unterricht eingebaut – etwa hier in der Klasse 7c als Motivator. − Foto: Klasse 7c

Im Biologie-Unterricht soll der Golden Retriever demnächst seinen Auftritt bei Kollegen von Susanna Brunner haben: "Wenn das Thema ,Säugetiere‘ ansteht." Dass der Hund keinen Stresssituationen ausgesetzt ist, darauf achtet seine Halterin genau: Etwa wird vermieden, dass zu viele Kinder sich im Kreis um den Hund scharen um ihn zu streicheln.Was aber ist, wenn ein Kind allergisch auf den Hund reagiert? "Bei Hunden", erklärt Brunner, "kann man höchstens auf den Speichel empfindlich reagieren." Dann würde sich das entsprechende Kind eben nicht ablecken lassen. Damit habe es jedoch noch nie Probleme gegeben. Und wenn sich ein Kind vor dem Tier fürchtet? Auch das sei die absolute Ausnahme. Ganz im Gegenteil: "Mit Beni können gezielt Ängste abgebaut werden." Nur einmal hatte es bisher einen Hinweis gegeben, dass sich ein Schüler ein wenig fürchte angesichts des Hundes. "Drei Tage später hat er ihn schon gestreichelt."

Das mag ganz sicher auch an dem Gemüt und der Erziehung von Beni liegen. Während des Pressegesprächs liegt er tiefenentspannt in etwas Entfernung auf seinem Teppich. Kein Kläffen, kein Anspringen, kein Betteln. Beni ist bestens erzogen, besucht mit Frauchen bis heute eine Hundeschule. Damit er als Schulhund eingesetzt werden kann, muss er freilich bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Etwa dass er mit der Situation in der Schule, in der Klasse, nebst vielen Kindern klar kommt. Dass er gehorcht, sich seinem Frauchen anschließt, dass er längere Zeit brav auf seinem Platz verharren kann und dass er sich zurücknehmen kann und nicht beispielsweise Schüler anspringt, wenn die gerade etwas essen.

Ablenkung durch den Hund? Im Gegenteil

Erst wenn Frauchen die Erlaubnis zu etwas gibt, darf Beni es auch ausführen. Der Rüde behält stets die absolute Ruhe. Nervös werde er nur, wenn er mal dringend "muss". Da sorgt Susanna Brunner aber vor und geht in Pausen regelmäßig mit ihm raus auf die nahe Grünfläche.
Ständiges Ablenken durch den Hund gibt es im Klassenzimmer übrigens nicht. Die Kinder kennen die Regeln längst: Den Rüden herbeirufen bringt gar nichts – schließlich folgt der nur, wenn die Lehrerin es ihm auch erlaubt. Eher stellt Brunner das Gegenteil fest: "Wenn der Hund gehorsam ist, sind die Kinder es auch." Die Schüler würden durch das Team Lehrerin-Hund feststellen, wie wichtig Verhalten, Disziplin und Gehorsam ist und es so auch selbst leichter umsetzen. "Der Hund bringt eine positive, ruhige Stimmung in den Unterricht", so Brunner.

Übrigens: Als Maskottchen bei Schulaufgaben kann Beni leider nicht herhalten – da muss er dann doch ausnahmsweise zuhause bleiben.

(Jennifer Jahns, Passauer Neue Presse vom 28.04.2018)

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